Die erste Woche "Arbeit" in 2012 ist vorbei. Einige stehen bevor, offiziell beginnen die nächsten Ferien erst Mitte Juni. Tatsächlich sieht es jedoch etwas anders aus.
Für einige meiner Schülerinnen - sechs, um genau zu sein - gibt es von März bis Mai zumindest Ferien von der georgischen Schule: In zwei Wochen fliegt die erste nach Deutschland, Anfang März folgen die anderen fünf. Mein "Langzeitprojekt", ein Schüleraustausch, geht also gut voran.
Für mich stehen die nächsten Mini-Ferien auch schon Ende Februar an: Das Alumni-Treffen vom DNJF in Oslo, wofür ich ein paar Tage frei bekomme.
Eine Freundin fragte mich vor kurzem noch "Are you ever in Georgia?". Yes, I am. Und ich bin mir sicher, dass ich mich, wenn ich aus Oslo wiederkomme, freuen werde, wieder zu Hause zu sein.
Sonntag, 29. Januar 2012
Dienstag, 24. Januar 2012
Zwei Bretter, Nora, Schnee
Skifahren in Bakuriani, 19.-21. Januar
Tag 1: Aufbruch, morgens um 8. Packe alles, was mir annähernd wärmend erscheint, in den viel zu großen Rucksack. Auch den Fön. Die anderen kommen, der Weinvorrat wird weitestgehend gerecht auf die Gepäckstücke verteilt. Auf zur Marschrutka.
Tag 1: Aufbruch, morgens um 8. Packe alles, was mir annähernd wärmend erscheint, in den viel zu großen Rucksack. Auch den Fön. Die anderen kommen, der Weinvorrat wird weitestgehend gerecht auf die Gepäckstücke verteilt. Auf zur Marschrutka.
Einige Stunden später: Wir erreichen Bakuriani, wärmen uns in einem Restaurant, gehen auf Gästehaussuche. Sind erfolgreich (20Lari, ergo 10€ pro Nacht). Packen aus, packen uns ein, gehen raus. Suchen billige Ski-Leihe, wiederum erfolgreich. Stapfen durch Schnee, bauen Schneemänner (keine Möhren weit und breit, dafür aber Zigaretten), machen Wettrennen in hüfthohem Schnee, fallen auf die Nase. Lachen, lachen, lachen. [Aha, das meinte Lisa damit, dass sie nicht glaubt, dass man mit 20 erwachsen sei, schließlich sei ich ja auch 20. War wohl wirklich ein Kompliment.]
Wollen abends eigentlich Neger-Tarot spielen und unseren Wein trinken. Werden stattdessen vom Gästehausbesitzer und Patriarchen zu seinem Wein genötigt.
Tag 2: Teile der Crew beklagen sich über Kopfschmerzen, Wein könnte Schuld tragen. Gehen Frühstücken, bestellen Brei (der war in Russland so gut), kriegen Buchweizen. Buchweizen. Gesalzen. Nicht so gut. Gehen also ohne Frühstück auf die Piste. Motivation der Skianfänger (inkl. mir): Eher gering. Egal. Mit sinkendem Hinfallrisiko steigt die Motivation. Stimmung bessert sich. Lenkmanöver werden riskanter. Kopfschmerzen verschwinden, Hunger steigt. Mittagessen: Georgisch, fettig, lecker. Angebotener Chacha (Nationalschnaps) wird abgelehnt. Mission "Stehklo in voller Skimontur" wird von der gesamten Crew erfolgreich beendet.
Abends entgeht man dem Patriarchenschnaps nur durch Rückzug aufs Zimmer. Eigener Wein ist eh besser. Kartenspiel bringt Teile der Crew an den Rand ihrer nervlichen Belastbarkeit. Andere gewinnen.
Tag 3: Frühstück besteht aus Omelette, man lernt aus seinen Fehlern. Frisch gestärkt macht man sich auf den Weg zur richtigen Piste (gestern das war ja der Babyhügel). Man schließt mich mit ein. Ich ist gleichbedeutend mit "blutiger Anfänger mit totaler Selbstüberschätzung". Geht nicht gut. Werde fast den (falschen) Berg runter geweht, weil man mir den Tipp "Versuchs mit Rückenwind" gab. Zuviel Rückenwind bei zu viel Eis und zu wenig Können meinerseits. Größte Demütigung seit Langem: Fahre statt mit Skiern mit Lift den Berg runter. Trost: Unten gibt’s Tiramisu. Fahren den Weg zurück ins Dorf mit den Skiern statt Taxi ("Nora, du musst das Bremsen üben!"). Ach, Bremsen? Na so was. Stelle mich relativ erfolgreich an, beim Fahren wie beim Bremsen. Erreiche Dorf ohne Beinbruch. Bin zurück auf meinem Babyhügel, fühle mich wieder sicher. Motivation: Steigend. Hinfallquote: Wieder fallend.
Kaufen dann noch für die Rückfahrt ein. Proviant. Kommunikation innerhalb der Crew: eher mangelnd. Ergebnis: 2,5kg Mandarinen für vier Personen.
Guten Morgen, Dekadenz! - Wieder in der Schule
Vier Wochen Weihnachtsferien, das klingt viel länger, als es tatsächlich ist. Wenn man nacheinander die Türkei, Armenien und dann auch noch die georgischen Berge bereist, gehen die nämlich ziemlich schnell rum. So stand mir gestern schon wieder der "erste Schultag" bevor: Um 7 Uhr aufstehen, durch eine eiskalte Wohnung, in eine kalte Schule...
Klingt wiederum schlimmer, als es ist. Okay, an der Grausamkeit von "7 Uhr" ist nicht zu rütteln, aber wenn man sich selbst austrickst (Wecker ins Wohnzimmer legen, da hat man die halbe Strecke durch die kalte Wohnung hin zur warmen Dusche schon hinter sich und rennt nicht wieder zurück ins Bett), durchaus schaffbar. Dann also Frühstücken. Jetzt ist es ja so, dass wir drei alle direkt von "Hotel Mama" in den WG-Zustand übergegangen sind. Da passiert es dann schon mal, dass man Montagmorgen feststellt, dass kein Brot im Haus ist und nur noch ein paar armselige Haferflocken. Fast wäre ich hungrig aus dem Haus gegangen - aber MOMENT! Da steht doch noch ein guter Batzen Schokotorte im Kühlschrank! Den hatte mir meine Mentorin am Abend davor geschenkt und getreu dem beliebten Spruch "Wenn sie kein Brot mehr haben, sollen sie doch Kuchen essen!" begann der Tag also mit einem Stück Torte!
In der Schule haben sich nicht nur die süßen kleinen Kinderchen gefreut, dass ich wieder da bin, sondern vor allem auch die "Wächterin". Das ist eine sehr alte, sehr dicke, sehr verkrumpelte Frau, die guckt, dass kein Schüler zu früh aus der Schule abhaut. Und genau die freut sich schon jedes Mal einen Ast ab, wenn ich morgens "Gamardshoba!" - also Hallo - sage. Nach einem "Willkommen zurück"-Küsschen hat sie mich gestern dann noch gefragt, wie's mir geht ("Rogor char?") und ich hab ganz routiniert, wie man das nach vier Monaten im Land halt ist, mit "Gut!" ("K'argat!") geantwortet, woraufhin sie fast in die Luft gesprungen ist vor Freude über meine unglaublichen Sprachkenntnisse.
Ähnlich begeistert über meine Sprachkenntnisse waren zwei Georgier, die ich gestern in der Visastelle der Deutschen Botschaft, wo ich wegen des Schüleraustauschs war, getroffen habe. Als ich erzählt hab, dass ich Georgisch lerne, haben sie die Frage gestellt, die Georgier dann immer stellen: "Kannst du schon Frosch auf Georgisch sagen?" Frosch. Das heißt "bayayi", wobei jedes Ypsilon wie eine Mischung aus k, r, ch und "ich hab nen Frosch im Hals" klingen muss. Wie auch immer, ich kannte das Spiel ja schon, habe mir also brav den Hals wundgekrächzt und tadaa - sie waren voll des Lobs: "Wow, du kannst das richtig gut! Viel besser als die Russen!"
Na, wenn das mal nichts ist!
Klingt wiederum schlimmer, als es ist. Okay, an der Grausamkeit von "7 Uhr" ist nicht zu rütteln, aber wenn man sich selbst austrickst (Wecker ins Wohnzimmer legen, da hat man die halbe Strecke durch die kalte Wohnung hin zur warmen Dusche schon hinter sich und rennt nicht wieder zurück ins Bett), durchaus schaffbar. Dann also Frühstücken. Jetzt ist es ja so, dass wir drei alle direkt von "Hotel Mama" in den WG-Zustand übergegangen sind. Da passiert es dann schon mal, dass man Montagmorgen feststellt, dass kein Brot im Haus ist und nur noch ein paar armselige Haferflocken. Fast wäre ich hungrig aus dem Haus gegangen - aber MOMENT! Da steht doch noch ein guter Batzen Schokotorte im Kühlschrank! Den hatte mir meine Mentorin am Abend davor geschenkt und getreu dem beliebten Spruch "Wenn sie kein Brot mehr haben, sollen sie doch Kuchen essen!" begann der Tag also mit einem Stück Torte!
In der Schule haben sich nicht nur die süßen kleinen Kinderchen gefreut, dass ich wieder da bin, sondern vor allem auch die "Wächterin". Das ist eine sehr alte, sehr dicke, sehr verkrumpelte Frau, die guckt, dass kein Schüler zu früh aus der Schule abhaut. Und genau die freut sich schon jedes Mal einen Ast ab, wenn ich morgens "Gamardshoba!" - also Hallo - sage. Nach einem "Willkommen zurück"-Küsschen hat sie mich gestern dann noch gefragt, wie's mir geht ("Rogor char?") und ich hab ganz routiniert, wie man das nach vier Monaten im Land halt ist, mit "Gut!" ("K'argat!") geantwortet, woraufhin sie fast in die Luft gesprungen ist vor Freude über meine unglaublichen Sprachkenntnisse.
Ähnlich begeistert über meine Sprachkenntnisse waren zwei Georgier, die ich gestern in der Visastelle der Deutschen Botschaft, wo ich wegen des Schüleraustauschs war, getroffen habe. Als ich erzählt hab, dass ich Georgisch lerne, haben sie die Frage gestellt, die Georgier dann immer stellen: "Kannst du schon Frosch auf Georgisch sagen?" Frosch. Das heißt "bayayi", wobei jedes Ypsilon wie eine Mischung aus k, r, ch und "ich hab nen Frosch im Hals" klingen muss. Wie auch immer, ich kannte das Spiel ja schon, habe mir also brav den Hals wundgekrächzt und tadaa - sie waren voll des Lobs: "Wow, du kannst das richtig gut! Viel besser als die Russen!"
Na, wenn das mal nichts ist!
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